April 30, 2009

Zwischen rot und grün liegt das Nichts

Der Staub nimmt mir den Atem. Die Sonne scheint gleißend, der Wind ist kalt und stark. Läßt mich an die großen Weiten im Westen denken. An endlose Staubstürme. Hier ist er gemischt mit dem Dieselruß der brüllenden Busse, dem Bremsabrieb aus Detroit, dem Wintersalz auf der Straße. Das Warten an den Ampeln läßt die Fahrer dösen. Alles steht. Ich verliere mich, werde zu einer Wand im Wind, einem Gegenstand auf dem Asphalt, ohne Bedeutung, willenlos. Minuten, die sich wie Stunden anfühlen, steht alles vor dem Licht, es spielt keine Rolle. Das Rot erstarrt, wird zeitlos, Zen.

Nur die Sonne verbindet sich mit dem Nichts, dringt vor bis in das Unterbewußtsein. Die Industrie geht, die Fabriken verfallen, Busse und Autos verwittern, der Asphalt bricht auf, die Steppe bahnt sich ihren Weg. Der Zeitraffer vor dem inneren Auge, das nicht mir gehört.

Als die Ampeln auf grün schalten, vergeht Zeit, bis jeder zurückgekehrt ist zu sich, in sein Auto, sein Bestreben, an irgendeinen Ort der Stadt zu gelangen. Langsam setzt sich die Karawane in Bewegung, schweigend, bis zur nächsten Ampel, ein Tag-Nacht-Rhythmus von einer Kreuzung zur nächsten.

Dem Staub ist das egal. Ich atme ihn ein. Er schmeckt nach alten Gebäuden, die langsam geschliffen wurden. Die sich der amerikanischen Kultur geschlagen geben, in der nichts der Ewigkeit gehört, aber alles dem hier und jetzt. Yemeniten und Somalis siedeln auf der Westside. Religiöse beginnen mit Landwirtschaft auf der östlichen Seite der Stadt. Die Steppe kehrt zurück, wartet auf die stampfenden Büffelherden.

Doch die Ampeln
schalten seit Jahrzehnten
unbeirrt im selben Rhythmus,
auf rot.