Kerzen auf der Straße, geleerte Schnapsflaschen, beschriebene Baseballcaps, sorgfältig zusammengestellt, auf dem Bürgersteig, die letzte Ehre. Die Kerzen heruntergebrannt, wie verbrauchte Tränen. Rest-in-Peace-Graffiti an der Hauswand. Mitglied einer lokalen Gang, erschossen.
Ein paar Straßen weiter wieder Kerzen und Graffiti, ein weiterer Ort des Sterbens und Trauerns auf der West Side.
Ich laufe über den Friedhof. Genormte Steine gehören dem Andenken an Soldaten. Geordnet nach Orten des Krieges, Orten des Sterbens. Kuba. Der Friedhof ist menschenleer, der Sturm treibt mich fort, kein Ort für die Lebenden.
Amerika hat verschiedene Kulturen des Todes. Viele Friedhöfe des 19.Jahrhunderts sind bebaut worden. Die der Armen und der Sklaven, der Namenlosen. Ihre Knochen liegen jetzt unter Häusern. Die Grausamkeit des Geldes in diesem Land.
In einem Zimmer steht eine Urne. Die Nähe eines vergangenen Menschen.
Die die fortgehen, sollen manchmal noch ein wenig bleiben.
March 25, 2009
March 20, 2009
Was mich verrückt macht
Buffalo verliert seit langem an Bevölkerung, 300.000 in den letzten 50 Jahren, das sind mehr als 50%. Vierzehntausend oft wunderschöne alte Häuser stehen leer, verlassen, verrottend. Viele mit Veranda, zwei Stockwerken, bunten Farben und einer Geschichte. Von sorgfältigen Handwerkern für die Ewigkeit gebaut. Die Stadt kommt mit dem Abriß nicht hinterher. Weil die Grundsteuern für sie nicht bezahlt werden, wird sie die Eigentümerin der Häuser.
An der Elmwood Avenue, einer der coolen Straßen der Stadt, steht seit Jahren eine KFC-Filiale zum Verkauf. Brathuhn aus Kentucky ist ausgegangen. Das Design ist so eigen, daß kein anderes Unternehmen dort einziehen wird. Vielleicht ist es auch kein ernsthaftes Angebot, um irgendwann den Betrieb wieder aufzunehmen, wenn die Gegend noch attraktiver geworden ist. Viele Firmen verlassen ihre Standorte, siedeln um nach Asien oder an den nächsten Ort. Oft bekommen sie Subventionen dafür und lassen ihre Gebäude und Grundstücke hinter sich zurück. Sie werden zu Müll, der nicht abgeholt wird. Wal-Mart-Filialen stehen leer, weil die Firma inzwischen größere bevorzugt. Die leeren dem Verrotten überlassenen Bauten sind Kultursymbole. Denkmale der Wegwerfgesellschaft über Generationen. Amerika hat soviel Land, das billig genug und noch nicht betoniert ist, so daß es keine Rolle spielt. Man muß nur etwas weiter mit dem Auto fahren. Mall-Planer rechnen mit einer Nutzungsdauer, die so gering ist, daß sie mich an die von Autos erinnert. Danach dann recyceln, oder leer stehen lassen und weiterziehen? Bald werden die „Dead Malls“ von archäologischem Interesse sein wie die "Ghost Towns" des einst so wilden Westens.
Autos zu verschrotten, ist eigentlich ein kultureller Verstoß gegen diese amerikanischen Sitten. Sie sollten sich selbst überlassen werden. Die Türen verschließen, ein letzter Blick zurück, und dann auf zu einem neuen. Fährt man über Land, kann man viele aufgegebene Wagen sehen, die sich über Jahrzehnte auf den Grundstücken ihrer Eigentümer ansammeln. Geschichte aus Metall.
In Buffalo werden neue Häuser gebaut, billig, im suburbanen Einheitsdesign, dort wo vorher die verlassenen standen. Schon beim Bau kann man abschätzen, wann diese Häuser verrotten werden. Der Staat übernimmt die Hälfte der Kosten, damit Ärmere Hauseigentümer werden können: $80,000 gibt es für das neue Haus, ca. $20,000 kostet der Abriß des alten. Mieter werden als soziales Problem angesehen, erst Eigentümer steigen zu Bürgern auf, was mich an das alte Griechenland erinnert. Die neuen Vollbürger wollen aber für ihren Teil der Finanzierung keine Zinsen zahlen. Aus religiösen Gründen, denn sie sind muslimische Einwanderer. Niemand sonst würde auf der East Side ein neues Haus kaufen wollen. Dort wo soziale Probleme, Verbrechen und Rassentrennung am frappierendsten sind. Auf deutsch muß es natürlich ethnische Segregation heißen. Die Moslems werden ihre eignen Geschäfte und Schulen aufbauen, ihre eigenen Sprachen sprechen und sich so vor den Gefahren um sie herum und dem Rest der Stadt komplett abschotten. Die lokale Bank hat Schwierigkeiten, ein Koran-konformes Kreditangebot zu machen. Eine Bank in Chicago ist da schon weiter.
Die alten Häuser könnten aufgearbeitet werden. Das würde wahrscheinlich weniger kosten, aber wäre nur Arbeit für lokale Handwerker. Wirtschaftswachstum braucht mehr Umsatz. Schnelleres Verbrauchen, Wegwerfen, Neubauen. Aufträge für Großunternehmen der Massenproduktion. Gerade jetzt. Nichts hat sich geändert.
Obdachlose holen die Getränkedosen aus den Mülltonnen, bringen sie zurück in die Supermärkte. Es gibt 5 Cent Pfand pro Stück. Klar, das niemand sonst die Dosen zurückbringt. 120 Stück bringen 6 Dollars, ein Essen im chinesischen Imbißrestaurant.
Eine 20Jährige führt zwei Kläffer aus. Sammelt den Hundekot vom Boden auf. Liegenlassen verboten. Wenigstens das funktioniert.
An der Elmwood Avenue, einer der coolen Straßen der Stadt, steht seit Jahren eine KFC-Filiale zum Verkauf. Brathuhn aus Kentucky ist ausgegangen. Das Design ist so eigen, daß kein anderes Unternehmen dort einziehen wird. Vielleicht ist es auch kein ernsthaftes Angebot, um irgendwann den Betrieb wieder aufzunehmen, wenn die Gegend noch attraktiver geworden ist. Viele Firmen verlassen ihre Standorte, siedeln um nach Asien oder an den nächsten Ort. Oft bekommen sie Subventionen dafür und lassen ihre Gebäude und Grundstücke hinter sich zurück. Sie werden zu Müll, der nicht abgeholt wird. Wal-Mart-Filialen stehen leer, weil die Firma inzwischen größere bevorzugt. Die leeren dem Verrotten überlassenen Bauten sind Kultursymbole. Denkmale der Wegwerfgesellschaft über Generationen. Amerika hat soviel Land, das billig genug und noch nicht betoniert ist, so daß es keine Rolle spielt. Man muß nur etwas weiter mit dem Auto fahren. Mall-Planer rechnen mit einer Nutzungsdauer, die so gering ist, daß sie mich an die von Autos erinnert. Danach dann recyceln, oder leer stehen lassen und weiterziehen? Bald werden die „Dead Malls“ von archäologischem Interesse sein wie die "Ghost Towns" des einst so wilden Westens.
Autos zu verschrotten, ist eigentlich ein kultureller Verstoß gegen diese amerikanischen Sitten. Sie sollten sich selbst überlassen werden. Die Türen verschließen, ein letzter Blick zurück, und dann auf zu einem neuen. Fährt man über Land, kann man viele aufgegebene Wagen sehen, die sich über Jahrzehnte auf den Grundstücken ihrer Eigentümer ansammeln. Geschichte aus Metall.
In Buffalo werden neue Häuser gebaut, billig, im suburbanen Einheitsdesign, dort wo vorher die verlassenen standen. Schon beim Bau kann man abschätzen, wann diese Häuser verrotten werden. Der Staat übernimmt die Hälfte der Kosten, damit Ärmere Hauseigentümer werden können: $80,000 gibt es für das neue Haus, ca. $20,000 kostet der Abriß des alten. Mieter werden als soziales Problem angesehen, erst Eigentümer steigen zu Bürgern auf, was mich an das alte Griechenland erinnert. Die neuen Vollbürger wollen aber für ihren Teil der Finanzierung keine Zinsen zahlen. Aus religiösen Gründen, denn sie sind muslimische Einwanderer. Niemand sonst würde auf der East Side ein neues Haus kaufen wollen. Dort wo soziale Probleme, Verbrechen und Rassentrennung am frappierendsten sind. Auf deutsch muß es natürlich ethnische Segregation heißen. Die Moslems werden ihre eignen Geschäfte und Schulen aufbauen, ihre eigenen Sprachen sprechen und sich so vor den Gefahren um sie herum und dem Rest der Stadt komplett abschotten. Die lokale Bank hat Schwierigkeiten, ein Koran-konformes Kreditangebot zu machen. Eine Bank in Chicago ist da schon weiter.
Die alten Häuser könnten aufgearbeitet werden. Das würde wahrscheinlich weniger kosten, aber wäre nur Arbeit für lokale Handwerker. Wirtschaftswachstum braucht mehr Umsatz. Schnelleres Verbrauchen, Wegwerfen, Neubauen. Aufträge für Großunternehmen der Massenproduktion. Gerade jetzt. Nichts hat sich geändert.
Obdachlose holen die Getränkedosen aus den Mülltonnen, bringen sie zurück in die Supermärkte. Es gibt 5 Cent Pfand pro Stück. Klar, das niemand sonst die Dosen zurückbringt. 120 Stück bringen 6 Dollars, ein Essen im chinesischen Imbißrestaurant.
Eine 20Jährige führt zwei Kläffer aus. Sammelt den Hundekot vom Boden auf. Liegenlassen verboten. Wenigstens das funktioniert.
March 10, 2009
Das Verschwinden der Eiswürfel
Das Gefühl, schon ewig hier zu sein. Als hätte sich nichts verändert. Es ist kälter als letztes Jahr, eine andere Jahreszeit. Ich fahre ein anderes Rad. Aber die Straßen sind die gleichen. Die Menschen, irgendwie. Mir kommt der Gedanke, kleine Gegenstände zu verstecken, irgendwo da draußen, die ich wiederfinden würde, irgendwann. Alles, was ich sehe, hat eine Geschichte, ist mit Leuten verbunden, die sie erzählen könnten. Häuser, Bäume, der Müll. Irgendwer hat hier gelebt, gepflanzt, etwas dem Lauf der Dinge überlassen. Die Optimisten glauben, man müsse nur fragen. Ich glaube das nicht.
Manchmal finde ich CDs auf der Straße. Selbstgebrannte, die mir erst verraten, was in ihnen steckt, wenn ich sie anhöre. Oder auch nicht. Denn ich kenne die Musik nicht. Und weiß nichts über die Menschen, die sie zuvor gehört haben, in ihren Autos, auf einem Weg, der im Dunkeln bleibt.
Eine ganze Menge Eiswürfel passen in eine Plastiktüte. Jeden Morgen erneut. Ich weiß nicht, welchem Zweck sie diesen. Ich sehe sie später am Tag wieder, wie sie verschwinden, langsam, im Ausguß. Es dauert Stunden. Ich frage die Frau, die die Tüte füllt, aber bekomme keine Antwort, die etwas erklärt. Der U-Bootfahrer ist nicht mehr hier. Der Lehrer zweiter Klasse ist verschwunden. Es gibt noch ein paar Küchengegenstände von ihm. Langsam verblaßt sie, die Erinnerung, verändert sich. Ich erkenne den Kaffee nicht mehr wieder. Diesen Bombengeschmack vom letzten Jahr. Vielleicht sparen sie jetzt an dem, was einmal so großzügig bemessen war. Blümchenkaffee, dieser alte Begriff. Aber niemand läßt sich etwas anmerken. Riten verdecken die Veränderung, sind die Haltegriffe gegen das Schlingern.
Der nächste Tag bringt wieder Eiswürfel hervor. Für ein paar Stunden.
Manchmal finde ich CDs auf der Straße. Selbstgebrannte, die mir erst verraten, was in ihnen steckt, wenn ich sie anhöre. Oder auch nicht. Denn ich kenne die Musik nicht. Und weiß nichts über die Menschen, die sie zuvor gehört haben, in ihren Autos, auf einem Weg, der im Dunkeln bleibt.
Eine ganze Menge Eiswürfel passen in eine Plastiktüte. Jeden Morgen erneut. Ich weiß nicht, welchem Zweck sie diesen. Ich sehe sie später am Tag wieder, wie sie verschwinden, langsam, im Ausguß. Es dauert Stunden. Ich frage die Frau, die die Tüte füllt, aber bekomme keine Antwort, die etwas erklärt. Der U-Bootfahrer ist nicht mehr hier. Der Lehrer zweiter Klasse ist verschwunden. Es gibt noch ein paar Küchengegenstände von ihm. Langsam verblaßt sie, die Erinnerung, verändert sich. Ich erkenne den Kaffee nicht mehr wieder. Diesen Bombengeschmack vom letzten Jahr. Vielleicht sparen sie jetzt an dem, was einmal so großzügig bemessen war. Blümchenkaffee, dieser alte Begriff. Aber niemand läßt sich etwas anmerken. Riten verdecken die Veränderung, sind die Haltegriffe gegen das Schlingern.
Der nächste Tag bringt wieder Eiswürfel hervor. Für ein paar Stunden.
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