In Albuquerque, NM müssen alle Hunde und Katzen Microchips tragen und dazu werden sie ihres Geschlechts beraubt. Bei mehr als einem Haustier unter einem Dach kommt ein Inspektor zu Besuch - sie sollen ja nicht wie die Hunde leben, die Hunde. Bisher sind mir die üblichen Vierbeiner im Stadtbild noch nicht aufgefallen. Vielleicht müssen sie ein Untergrunddasein führen, um den strengen Regeln zu entgehen - arme Underdogs, jedes Kläffen würde sie verraten. Ausgang nur in mondloser Finsternis. Auch Ratten und Kakerlaken, sonst übliche Stadtbewohner, scheinen eingeschüchtert. Die Grenze zu Mexico ist ja nicht weit und die Freiheit damit in greifbarer Nähe.
Streunende Zweibeiner dagegen sind zahlreich. Manche schaffen es bis in die Jugendherbergen. Dort erhält die Luft der Schlafräume diese eigentümliche Note aus Mensch und Alkohol, der aus den Poren dringt. (Trinken in der Öffentlichkeit ist verboten. Obdachlose Alkoholiker können sich eigentlich nur in Klos einschließen oder im Gebüsch verstecken, um wegen des Trinkens nicht festgenommen zu werden.)
Andere Vagabunden besitzen ein Auto, Bildung und Stil. Ihre Besitztümer sind aufbewahrt in einem dieser langfristig mietbaren Lagerräume, auf Wunsch auch klimatisiert, und in jeder Stadt vertreten - ein Zeichen dieses mobilen Lebensstiles. Wahrscheinlich wird irgendwann klar, wie wenig ein Mensch wirklich braucht.
Verurteilte "Sex offenders" müssen sich in den meisten Bundesstaaten amtlich registrieren, ihre Adresse ist öffentlich zugänglich und in der Regel besteht die Auflage, Kindergärten und Schulen in einem bestimmten Umkreis zu meiden. In manchen Regionen wird auch das Tragen einer elektronischen Fußfessel auferlegt (die den Delinquenten natürlich in Rechnung gestellt wird). Fußfesseln brauchen aber immer mal wieder Strom für den enthaltenenen Akku. Irgendwo in Texas haben ein paar Träger damit Schwierigkeiten, denn sie leben unter einer Brücke ohne Stromversorgung zusammen, nachdem sie keine Möglichkeit gefunden haben, unter Einhaltung aller Auflagen eine Unterkunft zu finden, auch kein Obdachloenasyl.
Die Behörden schicken nun regelmäßig einen Bewährungshelfer unter die Brücke, das Campieren dort wird unter diesen Umständen erlaubt. Erstaunlich, daß die Microchipidee bei den Vierbeinern stehen geblieben ist. Schließlich entfällt die Suche nach einer öffentlichen Steckdose - ein Alptraum, um ein bißchen Handfesselstrom betteln zu müssen, um eine Fahndung und Inhaftierung zu vermeiden. Wir Laptopisten dieser Welt kennen ja die Angst um den sich leerenden Akku nur zu gut, werden aber zunehmend von Starbucks & Co. von diesen Unannehmlichkeiten befreit. 1/10 des US-Stroms soll übrigens von russischem Atommaterial stammen, das die Amis aufkaufen und energetisch verwerten. Die Bösen dieser Welt sollen nicht auch noch so etwas in die Finger bekommen.
Teile von Seattle hatten letzten Winter einen 8tägigen Stromausfall - an Microchips führt doch kein Weg vorbei. Das würde nicht nur das lästige Handfesselaufladen ersparen. Pässe, Ausweise, Führerscheine, alles unter der Haut. WLAN und RFID sind doch bereits überall. Nur ein kleiner politischer Ruck und das Leben wird endlich einmal einfacher.
In vielen Bundesstaaten gibt es inzwischen Ärger, wenn man seinen Automotor mehr als 3 min. leer laufen läßt. Diese "Anti-idling-rules" sehen Geldstrafen über $1.000 und (!)/oder Haft bei Verstoß vor. (An der zivilisierten Ostküste bis zu $25.000). Polizisten führen jedoch ein Thermometer mit. Ab bestimmten Niedrigtemperaturen gibt es Ausnahmen, um nicht legal zu erfrieren.
Hoffnung gibt es auch an der Nichtraucherfront. In den meisten Bundesstaaten ist es den Bewohnern von Sozialbauwohnungen ("public housing") inzwischen verboten zu rauchen, sowohl in der Wohnung als auch vor dem Haus. Wer raucht, fliegt raus. Begründet wird das Verbot jedoch nicht mit Gesundheitssorgen. Raucher erzeugen höhere Renovierungskosten und Feuergefahren.
So kleine Geschichten.