Auf dem Weg nach Süden. Im Greyhound vor allem Latinos (eigentlich werden sie hier im Süden "Mexicans" genannt, aber ich bin ja nicht von hier) . Einer trägt Gang-Tattoos. Weiß ich natürlich nicht genau und fragen will ich ihn auch nicht. Schöne Zeichnungen an den Armen und am Hals; Frauen, Stacheldraht, Nummern, was man eben so trägt auf der Haut. Das Kopfhaar kurzgeschoren, dazu Bart, weißes Hemd und Jeans. Ende 20. Vielleicht ist er auf dem Weg in seine Stadt, nach einem längeren Aufenthalt hinter Gittern. Bald wird er wieder Auto fahren, einen amerikanischen Schlitten aus den 70ern, das sind die bevorzugten Wagen junger Mexikaner. Im Bus zählt er seine Geldscheine; er weiß, daß er nicht beraubt wird.
Der Greyhound-Fahrer unterhält sich mit einem Army-Veteran. Der ist in so schlechter Verfassung, daß es erstaunt, wie der überhaupt alleine reisen kann. Zittrig und abgemagert, irgendwie nicht voll da. Aber auch der Fahrer hat schon bessere Tage gesehen. Deutscher Einwanderer mit Südstaatendialekt, der sich durchgeschlagen hat und jetzt für ein paar Dollar die Stunde Bus fährt - Fantasie ist doch etwas schönes. Wir warten über eine Stunde auf einen anderen Bus, um ein Umsteigen zu ermöglichen. Das Warten war nicht eingeplant. Hat sich verfahren, der andere. Das kommt vor. Die Latinos lachen.
In New Mexico müssen sie übrigens spanisch lernen in der Schule. Ihre Heimatsprache soll nicht verloren gehen. Interessante Verpflichtung.