March 26, 2007

Erstmal wieder ankommen

ich bin wieder in Chicago, oder zumindest ist das amtlich so. fingerabdrücke hab ich gern hinterlassen und immer wenn eine kamera mich ins visier nimmt, versuche ich hineinzulächeln. beim interview des grenzpolizisten habe ich jedoch keinen überzeugenden eindruck hinterlassen. ich konnte die frage, was ich hier wirklich will, nicht recht beantworten - schon gar nicht in der geforderten kürze. als ich dann auch noch zugeben mußte, nur eine fünfdollarnote zu besitzen, schrieb er mich als ungefährlichen irren ab und ließ mich einreisen.

schon auf dem weg in die neue welt begannen absonderlichkeiten, zeichen einer ungewöhnlichen reise.
der erste flug nach FfM entkam dem Nebel selbst auf 7.800m Höhe nicht und ließ mich nebelhörner hören, dieses dunkle, unheilvolle tuten von den küsten des nordens bis in meine gehörgänge. da die anderen Fluggäste so taten, als hörten sie nichts, ließ ich mir natürlich auch nichts anmerken. wir mußten uns in wirklichkeit irgendwo auf dem meer befinden, vielleicht auch unter ihm, wer konnte das schon sagen.

nach dem anlegen in FfM beim warten auf die Air India maschine dann diese zweifellos deutsche frau in den zwanzigern, gehüllt in einen sari und mit hennamalen versehen, ihrem indischen begleiter einen steten quell englischer wörter in die ohren träufelnd, mit eindeutig indischem akzent. im flugzeug dann alte barfußinder und ein steward, der mich ganz selbstverständlich mit doppeltem Johnnie Walker on the rocks versorgte sowie die plötzlichen vertrautheitsgefühle als mir klar wurde, endlich einmal von vegetariern umgeben zu sein - meinem stamm, einem flugzeug voller inder aus Dehli auf dem weg nach amerika. der unvermeidbare bollywoodfilm wurde mir immer vertrauter; männer, frauen, geld und alles in leuchtenden farben.

vielleicht weil es nach indischer zeitrechnung ein nachtflug war, blieben die fenster geschlossen und so war auch diesmal nichts von der außenwelt wahrnehmbar. dauersitzen in einer röhre mit einem akustischen regiment laufender staubsauger.

als diese augeschaltet und die fenster geöffnet wurden, begann ich wieder auf den vertraut-fremden straßen zu wandeln, in dieser ratternden ubahn zu sitzen, und mein altes zimmer zu beziehen. gottseidank war schnell wieder mein etwas angestaubtes MTB bei mir, polnisches bier und große pizzas waren schnell besorgt.

der dauerbeschuß mit negativen politiknachrichten hat jedoch seine spuren hinterlassen. die distanz ist spürbar und zerrt an mir. meine gelassenheit von früher muß erst wieder wachsen. auch der sonnenschein fehlt. trotz der 16 grad am ersten tag.

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