July 09, 2009

Die Nacht, die nie vergeht

Die letzte Nacht in Cincy.
Auf den Stufen der Front Porch. Der Mond scheint, die Hunde heulen. Es ist so warm, daß hier keiner die Sonne braucht. Dies ist die richtige Stadt für die Nacht. Würde die Sonne nie mehr aufgehen, wäre dies der Ort, sie nicht zu vermissen.

Nicht weit von hier gibt es eine Stelle, von der man auf die Downtown hinabschauen kann, auf die Tageswelt. Dort unten wird das Geld verdient, dort unten klingeln die Telefone, stehen "Cubicles" in Bürotürmen, dort unten ist das Vermächtnis der katholischen Deutschen des 19. Jahrhunderts ein Viertel, in dem sie stolz die Festnahmen zählen. Die, die das Viertel auf Vordermann bringen sollen. Über 1.000 im letzten Jahr - bei 7.000 Einwohnern.

Hier oben ist das ohne Bedeutung. Hier zogen diejenigen hin, die sich größere Häuser, mehr Land und bessere Luft leisten konnten. Aber auch das ist vorbei. Die Kinder spielen auf der Straße. Schwarze und weiße. Und Michael Jackson beschallt die Gegend. Im Bus verkauft einer der Fahrerin Bücher aus der Tüte. Sie wirft beim Fahren einen Blick auf die Schmöker und zahlt drei Dollars. Ein Obdachloser steigt ein, trägt Mundschutz wie im OP, wünscht einen Guten. Die Fahrgäste grüßen zurück. Eine Schwarze steckt einem weißen Bettler Geld zu. Cincys Botschaft ist auf der Straße ablesbar, eindeutig.

Ich hoffe, daß die Nacht noch lange währt.