March 10, 2009

Das Verschwinden der Eiswürfel

Das Gefühl, schon ewig hier zu sein. Als hätte sich nichts verändert. Es ist kälter als letztes Jahr, eine andere Jahreszeit. Ich fahre ein anderes Rad. Aber die Straßen sind die gleichen. Die Menschen, irgendwie. Mir kommt der Gedanke, kleine Gegenstände zu verstecken, irgendwo da draußen, die ich wiederfinden würde, irgendwann. Alles, was ich sehe, hat eine Geschichte, ist mit Leuten verbunden, die sie erzählen könnten. Häuser, Bäume, der Müll. Irgendwer hat hier gelebt, gepflanzt, etwas dem Lauf der Dinge überlassen. Die Optimisten glauben, man müsse nur fragen. Ich glaube das nicht.

Manchmal finde ich CDs auf der Straße. Selbstgebrannte, die mir erst verraten, was in ihnen steckt, wenn ich sie anhöre. Oder auch nicht. Denn ich kenne die Musik nicht. Und weiß nichts über die Menschen, die sie zuvor gehört haben, in ihren Autos, auf einem Weg, der im Dunkeln bleibt.

Eine ganze Menge Eiswürfel passen in eine Plastiktüte. Jeden Morgen erneut. Ich weiß nicht, welchem Zweck sie diesen. Ich sehe sie später am Tag wieder, wie sie verschwinden, langsam, im Ausguß. Es dauert Stunden. Ich frage die Frau, die die Tüte füllt, aber bekomme keine Antwort, die etwas erklärt. Der U-Bootfahrer ist nicht mehr hier. Der Lehrer zweiter Klasse ist verschwunden. Es gibt noch ein paar Küchengegenstände von ihm. Langsam verblaßt sie, die Erinnerung, verändert sich. Ich erkenne den Kaffee nicht mehr wieder. Diesen Bombengeschmack vom letzten Jahr. Vielleicht sparen sie jetzt an dem, was einmal so großzügig bemessen war. Blümchenkaffee, dieser alte Begriff. Aber niemand läßt sich etwas anmerken. Riten verdecken die Veränderung, sind die Haltegriffe gegen das Schlingern.

Der nächste Tag bringt wieder Eiswürfel hervor. Für ein paar Stunden.