October 03, 2008

Amishland

Wir rauschen durch das Land. Wälder ziehen an uns vorbei, lautlos. Nur die Fahrgeräusche untermalen die Landschaft. Der Tempomat nährt die Vorstellung, in einem Film zu sitzen. Der Wagen schaltet selbst. Das Lenken ist nur ein Ritual, nicht wirklich nötig, schießt es mir durch den Kopf. Aber ich dränge den Gedanken zurück. Was ich mir unter Pennsylvania vorstelle, kann ich nicht spüren, so schnell sind wir. Dafür laufe ich nachts durch die Orte. Kann das Knirschen unter meinen Sohlen hören, den Wind spüren und die schlafenden Häuser betrachten. Nachts erzählen sie eine andere Geschichte. Die Zikaden erzeugen einen exotischen Klangteppich dazu.

Die einzigen hell erleuchteten Inseln der Zivilisation sind die Tankstellen. Dort kaufe ich Kaffee, auch wenn der meist kein Genuß ist. Aber er wärmt die Hände in der kühlen Nacht. Und er gibt mir Gelegenheit, die "Locals" zu betrachten, die sich mit Sandwiches, Zigaretten und Treibstoff eindecken. Ich weiß nicht, warum sich die Nacht- so von den Tagesmenschen unterscheiden. Aber sie tun es. Ich falle dabei nicht weiter auf. Niemand bemerkt, daß ich aus dem Dunkeln komme und wieder in die Nacht entschwinde, während alle anderen in ihre Autos steigen.

Das Amishland kündigt sich ganz überraschend an. Zwei Kutschen wollen die Schnellstraße überqueren. Ich bewundere ihre Lebensweise, auch wenn ich viel zu wenig über die Amish weiß. Nachts höre ich Hufe im Galopp auf den Asphalt schlagen, dann sehe ich die Lampen der Kutschen näherkommen. Auf dem nahen Highway ziehen die Lastzüge vorbei. 2 Welten, die nebeneinander bestehen, in unterschiedlichen Geschwindigkeiten.