Ich fahre durch die East Side. Die Gegend mit den größten Problemen der Stadt. Viele Häuser leer, Fenster und Türen sind mit Brettern vernagelt. Gesprayte Symbole besagen, daß es unsicher ist, die Häuser zu betreten. Hinweise für die Feuerwehr. Dazwischen spielende Kinder, Erwachsene auf der Veranda, alles African Americans. Die Zeit vergeht hier langsam. Die Eckläden sind wie Festungen gesichert. Dort gibt es Lebensmittel, Toastbrot, Coke im Neonlicht. Die East Side war das Siedlungsgebiet der Deutschen und der Polen. Polen sind noch dort, Deutsche nicht. Die Straße wird breiter, mehrspurig und gefährlich. Ich befinde mich auf dem Terrain der Autofahrer, die ungern ausweichen. Als 2 Spuren nach links abbiegen, bin ich am Ziel. Die Mall ist eine der größten in New York, mit 250 Läden. Wahrscheinlich bin ich seit langem der erste, der per Rad kommt - und einer der wenigen, die nichts kaufen werden. Nüchterne Hallen umzingelt von Parkplätzen, ein großes Kino inklusive. Mir gehen die weiten Wegstrecken durch den Kopf, die die Menschen hier zurücklegen, wahrscheinlich ohne es auch nur zu merken. Und mir fällt auf, wie wenig elitär und exklusiv die Läden sind, ihr Design, ihre Ware. Hier gibt es keine Standesdifferenzierung. Die Stühle sind mit dem gefliesten Boden verschraubt, kein Essen kostet auch nur 10 Dollars, dort wo die schnelle Gastronomiemeile ist.
Als ich wieder draußen bin, ist es immer noch hell. Die Sonne scheint wie zuvor, die Autos rauschen dahin auf ihrem Weg. Ich nehme den gleichen Weg zurück und die Leute sitzen noch immer auf ihren Verandas und beobachten den Verkehr. Der Mittelschicht in ihren suburban angelegten Wohnvierteln bleibt das verwehrt. Dort gibt es keine Verandas mit Blick auf die Straße. Dort gibt es auch keinen Durchgangsverkehr, nichts unerwartetes passiert. Aber in den Häusern helfen Flachbildschirme aus - die aus den Malls . Vor ein paar Tagen habe ich den japanischen Garten Buffalos besucht. Nur japanische Gärten geben mir dieses Gefühl von Frieden, Schönheit und Zeitlosigkeit. Sie versöhnen mich mit dem Widerspruch von Natur, die bis ins Kleinste geplant worden ist und dann Kultur genannt wird. Diesem Garten ist anzumerken, daß nicht viel Geld zur Verfügung stand, als er angelegt wurde. Eine nahe Hauptverkehrsstraße bestimmt die Akustik und wird zum Symbol der anderen Welt. Vor ein paar Jahren kamen Gärtner aus Japan, um ihn zu überarbeiten. Was haben sie hier empfunden? Ich spüre die Stärke des Gartens. Der Straßenlärm stört nicht mehr. Er wird vom Garten als Teil des Lebens akzeptiert. Ich sehe Fische. Und ein ferngesteuertes Spielzeugschnellboot den See entlangrasen. Die Fische scheint es nicht zu stören. Mich auch nicht. Nicht mehr.