August 04, 2008

On the Road

Alles immer dabei in einer großen Tasche. Was man tragen kann. Was man mitnehmen darf. Im Greyhound Bus. Mehr braucht man auch nicht unbedingt. Rasieren unter Fremden. Nicht auffallen. Gute Kleidung ist wichtig. Sie entscheidet, ob man Reisender ist oder obdachlos. In den Augen der Anderen. Denen mit einer Wohnung. Denen mit einem Cell Phone. Die mit dem offiziellen Ort verbunden sind. Die eine Adresse haben, mit der sie einen Büchereiausweis, ein Konto, einen Führerschein bekommen. Nach und nach entsteht eine ganz spezielle Landkarte im Kopf. Hier ist der Park mit bequemen Bänken, der Schatten spendet und Ruhe. Dort das Münztelefon, das nicht direkt an der Straße steht, damit man versteht, was man hört. Es gibt nicht mehr viele davon. Die sauberen Toiletten. Die Bibliothek mit schönen Sesseln und Air Condition. Bequemes Sitzen ist ein großer Luxus. Ein Sofa ein Traum. Öffentliche Bänke sollen nicht zuviel Bequemlichkeit bieten. Wie Cafe'stühle. Das Sitzgefühl sagt einem, daß man nur geduldet ist.
Hier gibt es nur eine "Sorte" Menschen, die einen direkt anschaut. Wachmänner, Polizisten, Concierges. Gute Kleidung und ein rasiertes Gesicht sind die beste Deckung am Tag, wenn das, was man dabei hat, einen nicht verrät. In der Nacht schließt alles. Die Bibliothek, der Park, das Cafe'. Aus dem öffentlichen Raum wird ein dunkler Ort der Unsicherheit, die man selbst erlebt und selbst erzeugt.
Manche Buchläden haben bis in die Nacht geöffnet. Man kann lesen bei leiser Musik. Und die Zeit verlängern. Bis man zurück muß zur Schlafgelegenheit. Wenn es die dortigen Regeln erlauben. Die Zeitregeln. Geöffnet, geschlossen, jeder Ort hat andere Zeiten.
Öffentliches Schlafen verschiebt die Grenze zur Privatheit zu einem Minimum. Die Bettdecke wird zur letzten Barriere. Nur die Gedanken sind sicher im privaten Raum.
(Nachterfahrungen, Franciscan Outreach, Nursing Home, Straßenbeobachtungen)